Kloster Veßra
Das an der Mündung der Schleuse in die Werra, in unmittelbarer Nachbarschaft der hennebergischen Residenzstadt Schleusingen gelegene Kloster Veßra zählt zu den bedeutendsten romanischen Baudenkmalen in Thüringen. Seine Geschichte ist eng verknüpft mit den Grafen von Henneberg.
Im Zuge ihres Herrschafts- und Landesausbaus in Richtung Thüringer Wald gründeten die Grafen von Henneberg 1131 das Prämostratenserkloster Veßra als geistig-religiöses Zentrum und Grablege für die Familie. Das ursprünglich mit Nonnen und Mönchen besetzte Doppelkloster wurde 1135 dem Bischof von Bamberg unterstellt, der 1138 die Weihe der Klosterkirche vollzog. Nach einem Brand 1175 wurde der Nonnenkonvent in das nahe gelegene Kloster in Trostadt verlegt. Zwischen Hauskloster und gräflicher Familie bestand jahrhundertelang ein enges Verhältnis. Ausdruck dessen war die Errichtung der Grabkapelle am nördlichen Querschiff der Klosterkirche, die 1182 geweiht und erst 1566 aufgegeben wurde.
In dem weiträumigen Klostergelände befanden sich außer der Kirche, der Klausur, dem Kreuzgang und der Torkapelle Einrichtungen der umfangreichen Klosterwirtschaft, wie der Wirtschaftshof, Stall- und Speicherbauten, das Backhaus, die Schmiede, Teiche, Gärten, die Klostermühle und das Spital. 1333 wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Nachdem Graf Georg Ernst von Henneberg 1544 zum lutherischen Glauben übergetreten war, wurde das Kloster schrittweise säkularisiert. Seit dem Tod des letzten Abtes 1573 wurde es als landesherrliche Domäne weiterbewirtschaftet. Neben dem Klosterhof entstand allmählich ein kleines Dorf. 1677 wurde ein bedeutendes Gestüt eingerichtet. Die jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung der alten Klosteranlage ließ die kulturhistorische Bedeutung der Anlage praktisch vergessen. Die Klostergebäude wurden als Wirtschaftsgebäude genutzt oder abgerissen. Die als Scheune dienende romanische Klosterkirche brannte 1939 aus. 1945-1990 bestand auf dem Klostergelände eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG). Durch das 1975 hier eingerichtete agrarhistorische Museum konnte die noch erhaltene Substanz gesichert werden.
Das bedeutendste Bauwerk auf dem Klostergelände ist die auch als Ruine noch imposante Klosterkirche. Von der dreischiffigen Pfeilerbasilika sind unter anderem die fünfgeschossige Doppelturmfassade, Mauern des Querhauses, ein Großteil der Mauern des Langhauses und Mauerreste des Lettners erhalten. Auffallend ist, dass das Querschiff ohne eine ursprünglich vorgesehene Vierung durchlaufend angelegt ist. Zeigt der eigentliche Kirchenbau des 12. Jahrhunderts fast nur schmucklose Formen, so ist an dem nach 1201 entstandenen Westwerk reicher Bauschmuck vorhanden. Sowohl die beiden unteren Geschosse wie auch der Zwischenbau mit Eingangshalle sind durch Lisenen und Bogenfriese gegliedert sowie mit Ornamenten und Köpfen plastisch verziert. An den Portalen mit ihren Säulen und Kapitellen ist der fränkische Einfluss nicht zu übersehen. Die an den nördlichen Querhausarm angebaute ehemalige Henneberger Grabkapelle mit ihrer Ausmalung von 1485 dient heute als Ortskirche. Von der ehemaligen Klausur sind der Südflügel mit Refektorium vollständig und der Kreuzgang teilweise erhalten. Als weitere Gebäude sind das rekonstruierte Klostertor mit Torkirche, das ehemalige Kornhaus und der 1834 erbaute Pferdestall hervorzuheben.
Heute befindet sich im Klosterareal das Hennebergische Museum Kloster Veßra mit kulturgeschichtlicher Ausrichtung auf das Henneberger Land und einem Freilichtmuseum mit ländlichen Fachwerkhäusern.
Kloster Veßra







Kloster Veßra
Öffnungszeitentäglich außer montags
April - September
9.00 - 18.00 Uhr
10.00 - 17.00 Uhr
Einlass bis 1 Stunde vor Schließung
Homepage
AdresseHennebergisches Museum
98660 Kloster Veßra
Telefon 03 68 73 /6 90 30
Telefax 03 68 73 /69 03 49
Eintrittspreise